Trail-Tag 7 - 8 Raetea Forest

Trail - Tag 7

Sa 20.Okt.2018
Raetea Forest                                                    Km  137  -- 154




Mit den  ersten Sonnenstrahlen  verlassen wir unser Zelt. Da wir keine Lust mehr auf trockene Cornflakes  ohne Milch haben, kochen wir zum ersten mal ein NFG (Nudelfertggericht). Zum NFG bräuchten  wir zwar auch Milch,  es geht aber zur Not auch ohne. (Milchpulver kommt erst später ins Spiel) Der Kaffee  kommt immer noch aus dem 2in1 Fertigbeutel und schmeckt uns auch immer weniger, das sollten aber die kleineren Probleme für diesen Tag sein. 

 

Wir verlassen unseren tollen Schlafplatz. Leider habe ich den Franzosen nicht nach  seinem  Namen gefragt, wir möchten ihm herzlichst danken. Bei strahlendem Sonnenschein  wandern wir die Fahrspur hinauf. 

Nach einigen hundert Metern  geht diese in eine Quadspur und schließlich in einen immer enger werdenden Pfad über. 

Mittlerweile befinden wir uns in einem richtigen Urwald und mit der GoPro filmen wir unseren immer steiler werdenen Weg. Werden in unseren bayerischen Bergen die Wanderwege meist in Serpentinen angelegt, so bevorzugt der Neuseeländer, beim Anlegen der Wege meist den direkten Weg. Bei einem relativ schweren Rucksack ist diese Wegvariante nicht unbedingt zweckmäßig. Kombiniert man das Ganze noch mit einer Menge Schlamm so erhöht sich der Schwierigkeitsgrad nochmals. 

Des weiteren versuchen die neuseeländischen "Weg"bauer möglichst jeden höchsten Punkt in der Umgebung mit einzubauen. Wir sind an diesem Tag auf einer Meereshöhe von ca. 260 m ü.NN gestartet und werden ihn bei ca. 60 m ü. NN beenden, dabei legen wir ca. 850  m im Anstieg und 975 m im Abstieg zurück. Der höchste Punkt unserer Wanderung wird der Raetea Summit mit 744 m ü. NN sein. Wir erreichen dabei, nach Abzug der Pausen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 1,8 km/h. Nur selten öffnet sich der Busch und wir können einen Blick über die zurückgelegten Berge erhaschen. 

Den einzigen Menschen, den wir überraschenderweise auf dem "Gipfel" treffen, ist Sita die TA-Hikerin aus dem Ninety Mile Beach Holiday Camp. Wir liegen relativ erschöpft auf einer kleinen Lichtung, als sie mit einem überraschten "oh shit" völlig unvorbereitet auf uns trifft.

Der Urwald selbst ist grandios, der Weg macht uns auch lange Spaß. Mir gelingt  beim Abstieg auf dem schlammigen Weg mehrmals eine perfekte Telemarklandung. Dabei versucht ein Fuß möglichst schnell nach vorne zu kommen, wobei der andere hinten bleibt. Am Ende des Tages steht es 4:1 für mich gegen Petra, dabei haben wir Bodenkontakte mit anderen Körperteilen als den Füßen gezählt. Der Weg ist echt heftig, wie wird er erst sein nach mehreren Tagen Regen. Ständig bleiben wir mit unseren Stöcken oder den Rucksäcken in den über den Weg hängenden Pflanzen hängen. 


Zum erstenmal mache ich mir Gedanken, ob ein GPS-Notfallsender nicht doch sinnvoll  wäre. Wir sind zu zweit unterwegs und es gibt hier auch vereinzelt  Handynetz, um evtl Hilfe zu rufen. Für Einzelläufer ist dieser Sender wohl zu empfehlen. 

Endlich endet der Schlammpfad oberhalb einer Weidefläche , die orangenen Markierungen zeigen uns den Weg  Richtung Tal. Über dem Wiesenhang liegen immer wieder größere Knochen, sowie der Schädelknochen,  vermutlich eines Rindes???, verteilt. 

Wir nähern uns der Farm die auch in der TA-App von Guthook beschrieben wird. Schon von weitem können wir dort das Bellen der Hunde hören. Wie verrückt springen sie in ihre Ketten, einen Bewohner können wir  nicht  erkennen. Möglichst schnell, so weit uns das  noch möglich ist, umgehen wir rechts herum  die Farm und treffen ohne Probleme wieder auf unseren Schotterweg. Wir sind jetzt 11 Stunden unterwegs und brauchen "nur" noch einen Schlafplatz, da es langsam dunkel wird. 

Aber auch heute löst sich dieses Problem von alleine. Ein kleines Schild weist auf eine Zeltmöglichkeit in 500 m. Voller Schlamm, unverletzt, erschöpft, aber auch mit etwas Stolz erreichen wir den Platz. Dort treffen wir auf Sita und Christian, einen TA-Hiker aus Kulmbach. Wir sind so kaputt, daß wir nur noch das Zelt aufbauen und ins "Bett" "fallen".  Petra war heut RICHTIG gut.
Vor dem Einschlafen fällt mir noch ein wie Anna Grafl in ihrem Buch: "A Tale from  a Trail", einem sehr interessantes Buch über ihren Te-Araroa Thruhike, irgendwann zu der Überzeugung kommt, daß die Neuseeländer  Kameras entlang des Trails versteckt haben und sich über die verrückten Hiker im Fernsehen totlachen. Ob da nicht was dran ist???.....

( gelaufene/ausgerutschte  17 km )




Trail - Tag 8

SO 21.OKT 2018                                                    km  154 - 180
Makene Road   - Omahuta Forest

In der Früh können wir erst erkennen, wie schön der eingezäunte Zeltplatz ist. Am Ufer des Baches steht ein Tisch mit Bänken und eine einfache Toilette gibt es auch.




In eine fest verankerte Kasse kann man einen Unkostenbeitrag (so viel man will) werfen, gerne werfe ich Geld ein. Während das Zelt vom Kondenswasser in der Sonne trocknet, werden die Schuhe, Gaiters und der Rest vom Schlamm befreit, Wasser aus dem Bach gefiltert und ein NFG sowie eine handvoll Schokolinsen verschlungen.
Bei strahlendem Sonnenschein verlassen wir gutgelaunt das Camp, nach ein paar Metern treffen wir  auf  die Besitzer Trish und Terran, die in der Nähe arbeiten. Auch bei ihnen  bedanken wir uns herzlichst, sie haben uns letzten Abend mit ihrem Platz vor der Dunkelheit gerettet. Ein paar hundert Meter weiter treffen wir auf den Highway No 1, auf diesem müssen wir zunächst etwa 6 km bis zum Mangamuka Dairy laufen.


Nur vereinzelt kommen  uns Autos entgegen, wir können gut auf den breiten Seitenstreifen ausweichen und erreichen bald Mangamuka Bridge. Dort treffen wir wieder Sita und Christian, die jedoch bald weiterlaufen wollen. Wir genießen  zwei Cheeseburger  und einem Liter Coke (mit Zucker!!!!!).  Die Burger und das Sortiment des Ladens sind wirklich gut. Für einen Dollar lade ich mein Tablet und wir bleiben noch zwei Stunden im Schatten vor dem Laden sitzen, vervollständigen den letzten Entwurf für unseren Blog und senden ihn schließlich  in die weite Welt.



 Dank Christians Hilfe konnte ich meine TA-App aktualisiert und habe jetzt den aktuellen Wegverlauf mit den Umleitungsstrecken auf dem Handy. Die normale Strecke durch den Omahuta Forest ist bis auf Weiteres wegen Wegbauarbeiten gesperrt, dafür gibt es eine Umleitung über Forststraßen. Zunächst war für heute das Apple Dam Camp als Ziel geplant, also ein Tagespensum von etwa 18 km. Mit der aktualisierten App muß ich erkennen, daß wir dann am nächsten Tag 34 km und viele Höhenmeter  zu laufen hätten. Wir beschließen am Apple Dam, das etwa 500 m vom Trail entfernt liegt, vorbeizulaufen und irgendwo am Wegrand im Wald zu schlafen. Nachdem wir  lange beim Dairy verbummelt haben erreichen wir erst gegen 17: 00 Uhr, nach endloser Schotterpiste, den Abzweig rechts zum Apple Dam Camp.



Wie beschlossen  laufen wir gleich nach links auf die neue Umleitungsstrecke, nach weiteren 6 km Schotterweg finden wir einen etwas versteckten Schlafplatz in einem Gebüsch, ein paar Meter neben dem Weg. Wir hoffen somit nicht ungewollt in die Schussbahn eines Jägers/Wilderers zu kommen, finden wir doch immer wieder Patronenhülsen am Wegrand. Auch heute fällt das Abendessen aus, um 20:00 Uhr  ist Nachtruhe angesagt.

(gelaufene 26 km)

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